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Fragen

Wie läuft die erste Einheit ab?

Sie entscheiden, wie sie beginnen möchten. Üblicherweise schildern Klienten am Anfang, was sie zu mir geführt hat. Ich versuche, mir dann ein Bild von Ihrer Situation zu machen und wir besprechen, wie unsere Zusammenarbeit aussehen wird. Da man am Anfang noch nicht wissen kann, ob ich der richtige Ansprechpartner für Sie bin, ist die erste Stunde kostenfrei.

Ich habe Beziehungsprobleme – ist das ein Grund, zum Psychologen zu gehen?

Tatsächlich spiegeln sich alle unsere Probleme in unseren Beziehungen wider. Braucht man viel Distanz zwischen sich und dem Partner oder hat man oft das Gefühl, zu wenig Nähe zu bekommen, sind die Dreh- und Angelpunkte der Beziehungsdynamik. Dort äußern sich zugrunde liegende Muster, deren Aufarbeitung soviel innere Freiheit mit sich bringt. In jeder Beziehung gibt es einen Partner, der weniger und Einen, der mehr Nähe benötigt.  Dennoch liegen jeder Partnerschaft zwei völlig individuelle Lebenswege zugrunde. Diese Tatsachen macht jede Beziehung einzigartig und es so unmöglich für Beziehungsratgeber, einen allgemein gültigen Lösungsweg zu beschreiben. Die Herausarbeitung der zugrunde liegenden Mechanismen, wie Sie generell mit Ihrer Umwelt in-Beziehung-treten, ist Teil unserer gemeinsamen Arbeit.

Ich fühle mich am Tag des Termins schon viel besser. Was ist jetzt das Richtige zu tun?

Manchmal schafft es schon erhebliche Linderung, sich überhaupt einen Termin auszumachen. Man fühlt sich, als ob man etwas weiter gebracht hätte, der Lösung auf der Spur wäre. Wir nennen das Selbstwirksamkeit. Dieses Gefühl steigert unseren Selbstwert und lässt uns gut fühlen. Auch am Tag der Termins kommt es einem dann so vor, wie wenn man alles im Griff hat, ja sogar, wie wenn der Termin selbst eine zusätzliche Belastung wäre. Natürlich können Sie einen Termin immer per SMS oder Anruf absagen, aber Sie wissen, nur durch das Gefühl der Selbstwirksamkeit sind Sie der Lösung Ihres Problems noch keinen Schritt näher gekommen. Es ist eher zu vergleichen mit dem Lernen auf eine große Prüfung oder das Erledigen mühsamer, immer wieder aufgeschobener Arbeiten: Man tendiert dazu, erst unwichtige Aufgaben zu erledigen, wie den Haushalt oder nebensächliche Anrufe. Anschließend fühlt man sich, wie wenn man viel geschafft hätte, aber der Lernstoff etc. ist immernoch liegen geblieben. Auch diese Widerstände werden Teil unserer gemeinsamen Arbeit sein.

Wieso sollen Beziehungsprobleme meine Probleme widerspiegeln?

Die Antwort auf diese Frage ist unglaublich komplex, aber ich möchte versuchen, sie zu skizzieren: Wir alle haben erste Bindungserfahrungen als Embryos, Babies und Kleinkinder gesammelt. Wir haben versucht (je nach Alter), unsere  Umwelt durch Strampeln, Schreien, Blicken, Sprechen etc. dazu zu bringen, unsere Bedürfnisse nach Nahrung, Nähe und neuen Erfahrungen zu stillen. Je nachdem, auf welche Art und Weise uns dies gelungen ist, oder besser gesagt, auf welche Weise es unseren primären Bezugspersonen gelungen ist, diese Bedürfnise zu erkennen und zu befriedigen, haben sich einzigartige Muster gebildet, wie man mit seiner Umwelt in Kontakt tritt und was man dann im besten Fall zu erwarten hat. Konkret vereinfacht könnte es z.B. sein, dass man als Säugling sehr lange und fast bis zur Erschöpfung weinen musste, bis die Mutter einen gehört und gestillt hat. Dann könnte man die Erwartung entwickeln „Wenn ich nicht alles gebe, werde ich nicht versorgt“. In  späteren Beziehungen kann es dann passieren, dass man sehr viel mehr gibt, als andere von einem erwarten. Man hat dann nicht nur chronisch mit einer Erschöpfung zu kämpfen, sondern obendrein noch zu wenig Anerkennung und Nähe bekommen, weil der Partner gar nicht erkennen kann, dass hinter aller Mühe eigentlich der Wunsch nach Geborgenheit und Versorgtwerden steckt. Diesen Wunsch aufzudecken, bewusst zu machen und kommunizieren zu lernen, führt in seiner Folge zu weniger Erschöpfung und mehr Lebensqualität.

Meine Probleme sind ganz anders als die hier Erwähnten.

Man muss dazu sagen, nicht alle Muster sind dysfunktional im Hinblick auf unseren Alltag. Manche funktionieren in unserer Leistungsgesellschaft sogar besser, als die eines gesunden Menschen. So haben Sie sicher davon gehört, dass sich in Führungspositionen überdurchschnittlich oft Narzissten oder Psychopathen befinden. Mit den Worten von Krishnamurti gesprochen: „Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.“ Wie lange man allerdings mit Mustern, die einem selbst oder anderen Leid zufügen, durchs Leben geht, bleibt jedem selbst überlassen. Man kann auch im Auto immer die Kupplung schleifen lassen und wenn das Getriebe kaputt geht, einfach ein Neues kaufen. Aber wenn man richtig Auto fahren lernen will, komme ich um eine kritische Auseinanderstzung mit meinem Fahrstil nicht herum.  Also wenn man einen friedlichen Umgang mit den eigenen Gefühlen und seinen Mitmenschen vermisst, könnte man hier genau richtig sein.

Welche Diagnose habe ich und stellen Sie mir auch ein Gutachten aus?

Nein. Diagnosen sind Sache der Ärzte und dienen in erster Linie dazu, die Kommunikation über einen Sachverhalt zu erleichtern. Diagnosen dienen also dazu, einem komplexen Wechselspiel zwischen Zusammenhängen einen Namen zu geben, um dem Nächsten mitzuteilen, was grob vor sich geht. Eine ausführliche Diskussion, warum eine Diagnose NIE beschreiben kann, was tatsächlich in Ihnen vor sich geht, finden Sie hier. Da dies allerdings nicht ganz einfach ist, zu verstehen, möchte ich es wieder mit einer leichter verständlichen Metapher probieren: Wenn ich Ihnen sage „ich habe ein Buch gelesen“, wissen sie noch nicht, ob es ein Sachbuch oder ein Roman etc war. Sie benötigen also eine ausführlichere Diagnose und erfahren dann: Es war ein Sachbuch. Dann wissen Sie noch nicht, ob es über den Kosmos, Umweltprobleme, Politik, Psychologie etc. geht. Sie benötigen also eine noch genauere Diagnose. Es war ein Sachbuch über die Problematik der Massentierhaltung in Industrienationen. Jetzt wissen Sie immer noch gar nichts über den Inhalt.  Kurz gesagt: Sie kommen nicht darum herum, wenn sie genau wissen wollen, welche Aha Erlebnisse, Erkenntnisse oder Emotionen ich hatte, dieses Buch selbst zu lesen. Also die Geschichte des Klienten in seiner ganzen Individualität selbst zu erfassen. Aber damit nicht genug, denn es gehen auch einige Probleme mit Diagnosen einher. Selbes gilt für die oberflächliche Erstellung eines Gutachtens. Deshalb stelle ich keine Diagnosen, schreibe keine Gutachten und behandle diese auch nicht.

Wie ist der typische Behandlungsverlauf?

Sich öffnen zu können und seine Probleme in Angriff zu nehmen, gibt einem schnell das Gefühl der Zuversicht und Besserung. Nach einigen Wochen lässt diese Anfangsmotivation nach und es kann zu Widerständen kommen. Die emotionale Entlastung sorgt zwar für eine gewisse Linderung, aber ändert noch keine Beziehungsmuster. Ein neuer Weg muss mehrmals gegangen werden, bis es uns leicht fällt, ihn zu benutzen bzw. er zur Gewohnheit geworden ist. Aber oft beschreiten wir auch alte Pfade und erleiden Rückschläge, diese gehören fest eingeplant zum Beratungsverlauf. Diese alten Verhaltensweisen sind aus der Sicht der Natur nämlich nicht einfach austauschbar, immerhin sind sie mit diesen Mustern genau dorthin gekommen, wo sie heute stehen. Sie haben ihren Zweck also erfüllt und es wäre gefährlich, sie einfach durch nicht erprobte Verhaltensweisen zu ersetzen. Auch wenn

Diese alten Verhaltensweisen sind aus Sicht der Natur nicht einfach austauschbar, immerhin ist man mit diesen Mustern genau dorthin gekommen, wo man heute steht. Sie haben ihren Zweck also erfüllt und es wäre gefährlich, sie einfach durch nicht erprobte Verhaltensweisen zu ersetzen. Auch wenn man sich damit immer wieder in die gleichen schmerzhaften Situationen bringt. Aus Evolutionspsychologischer Sicht ist das natürlich und wichtig für das Überleben einer Art.